La Mer
La Mer ist eine Serie von Arbeiten, die direkt auf dem Glas klassischer Diarahmen entsteht. Ich entfernte das ursprüngliche Dia und nutzte eine der beiden Glasplatten als offenen Bildträger, auf dem ich mit Materialien experimentiere, die selbst eine Zwischenwelt bilden: flüssig oder zäh, transparent oder milchig, instabil oder überraschend hart.
Zum Einsatz kamen Nagellack, Nagellackentferner, Lasuren, dünn aufgezogene Wachsmalstifte, Sirup, Honig, Zucker, Klarsichtfolie sowie verschiedene farbige Medien. Manche dieser Substanzen reagieren miteinander, andere verändern ihre Struktur unter Hitze, sodass ich sie in der Mikrowelle verschmolz oder neu formte.
Hinzu treten organische Materialien: etwa die in Essig denaturierten Schuppen eines Karpfens, die ich anschließend einfärbte, oder Fragmente von Shrimpskarkassen. Diese Einschlüsse wirken wie mikroskopische Sedimente – Erinnerungsreste aus einer biologischen Welt, die im Licht der Projektion zu visuellen Strukturen werden.
Alle Materialien sind transluzent oder halbdurchlässig; sie lassen Licht passieren, brechen es, halten es an, führen es an den Rand der Opazität. Die Glasplatte selbst wird so zu einem Resonanzraum, in dem Schichten, Einschlüsse, Blasen, Spuren und zufällige Reaktionen miteinander in ein fluides Verhältnis treten. Erst im Durchlicht – bei Betrachtung gegen das Licht oder in Projektion – entfalten die Dias ihre eigentliche Lebendigkeit: sie wirken wie kleine, schwebende Meereslandschaften, in denen organische und synthetische Stoffe ineinander übergehen.
La Mer ist daher weniger eine Darstellung des Meeres als eine Untersuchung seiner stofflichen Logik: ein Experimentierfeld aus Fließen, Gerinnen, Verdichten und Auflösen. Die Miniaturen oszillieren zwischen Bild und Objekt, zwischen Natur und Artefakt, und erinnern daran, dass Material selbst eine Form von Erinnerung trägt – eine Flüssigkeit, die vielleicht nur zufällig zu Glas wurde.